Die Energieabhängigkeit der Bankkredite

Euromünzen liegen auf Euroscheinen verteilt neben einer europäischen Flagge

Die Energieabhängigkeit der Bankkredite ist nicht wegen der Klimaschutzpolitik, sondern auch für die Versorgungsicherheit ein derzeit hochrelevantes Thema. Etliche Banken drohen sich im Zuge der Transformation aus Kreditengagements zurückziehen, sofern diese nicht klimaneutral sind. Aus diesem Grund ist eine Analyse der Energieabhängigkeit der Bankkredite relevant. Eine IW-Studie zeigt, bei welchen Bankengruppen Risiken zu finden sind.

Die Energieabhängigkeit der Bankkredite steht in einem Zusammenhang mit dem Energiebedarf der einzelnen Branchen, an die Banken Kredite vergeben haben. So fällt ein Großteil des Energiebedarfs auf einige wenige Branchen, insbesondere die Chemische Industrie sowie Energie- und Wasserversorgung, die zusammen rund zwei Drittel des gesamten gewerblichen Energieverbrauchs auf sich vereinigen. Auch Branchen, wie beispielsweise die Holz- und Papierindustrie sowie die metallerzeugende Industrie, weisen einen im Branchenvergleich hohen Energieverbrauch auf.

Die Energieintensität einer Branche ist definiert als der gesamte Energieverbrauch einer einzelnen Branche im Verhältnis zu ihrer Bruttowertschöpfung. Sie gilt als Maß dafür, wieviel Energie für die Produktion in der jeweiligen Branche aufgewendet werden muss. Dies gilt aber nur für die von der Branche hergestellten Endprodukte, denn eine Branche mit einer geringen Energieintensität für die Produktion ihrer Produkte kann durchaus energieintensiv hergestellte Vorprodukte einsetzen. Beispielsweise ist die Herstellung von Maschinen nicht besonders energieintensiv im Vergleich zur Herstellung ihrer Vorprodukte. Die Metallerzeugende Industrie ist bekanntlich energieintensiv, da sehr hohe Temperaturen für Schmelzprozesse zum Beispiel in der Stahlproduktion nötig sind. Höhere Energiepreise würden die Unternehmen in der Metallerzeugung also erst einmal eher betreffen als die Unternehmen des Maschinenbaus. Auf diese Unternehmen würden die höheren Energiepreise aber als Zweitrundeneffekt wirken. Hiervon sind auch die Unternehmen weiterer Branchen betroffen, die energieintensive Vorprodukte, beispielsweise aus der Chemie, für ihre Produktion benötigen.

In der Analyse des IW wird das Maß der Energiekreditlast definiert. Diese Kennzahl verknüpft die Energieintensität einer Branche mit dem Kreditvolumen, das eine Bank oder Bankengruppe in ebendiese Branche vergeben hat. Somit beschreibt die Energiekreditlast, wie viel Energieverbrauch sich hinter dem von einer Bank oder Bankengruppe finanzierten Kreditvolumen steht. Wird diese Zahl nun ins Verhältnis zur gesamten Größe des Kreditvolumens einer Bank oder Bankengruppe gesetzt, so erhält man mit der relativen Energiekreditlast eine Kennzahl, welche einen Vergleich zwischen verschiedenen Kreditinstituten ermöglicht. Eine Bank mit einer höheren Energiekreditlast trägt damit im Falle einer Energiekrise ein höheres Kreditausfallrisiko in ihrem Portfolio verglichen mit einer Bank mit einer niedrigen Energiekreditlast. Je nach Energieträger ist es möglich, für Banken oder Bankengruppen die jeweilige Gaskreditlast, Ölkreditlast oder Steinkohlekreditlast zu berechnen. Hat also eine Bank eine höhere Gaskreditlast im Vergleich zu einer anderen Bank, so hat sie ein höheres Kreditvolumen an energieintensive Unternehmen vergeben, die ihren Energiebedarf zu einem Großteil über Gas decken. Banken können auch eine unterschiedlich hohe Gaskreditlast haben, obwohl die finanzierten Unternehmen eine gleich hohe Energieintensität aufweisen, einige Unternehmen aber stärker Gas als Energieträger einsetzt, während andere Unternehmen stärker Erneuerbare Energien einsetzen. Letztlich hängt das Risiko auch von weiteren Faktoren wie zum Beispiel Substitutions- und Überwälzungsmöglichkeiten ab. Mit Hilfe der Analyse lässt sich auch untersuchen, inwieweit die Bankengruppen bestehend aus den öffentlich-rechtlichen Sparkassen und Landesbanken, den Kreditgenossenschaften, den privaten Kreditbanken, den Banken mit Sonderaufgaben und den Zweigstellen der ausländischen Banken besonders stark an einzelne, besonders energieabhängige oder eben wenig energieabhängige Branchen Kredite vergeben. Die Ergebnisse im Einzelnen:

  • Chemische Industrie: Sparkassen und Kreditgenossenschaften sind in der Finanzierung der Chemieunternehmen eher unterrepräsentiert. Im Gegensatz dazu tragen die privaten Kreditbanken den größten Teil der absoluten Energiekreditlast. Berücksichtigt man jedoch das Gesamtvolumen der jeweiligen Bankengruppe, so verändert sich das Bild. Relativ zu ihrer eigenen Größe sind die Zweigstellen ausländischer Banken am stärksten in der Finanzierung der Chemischen Industrie engagiert und tragen so auch die höchste relative Energiekreditlast. Dies liegt daran, dass die Großbanken 22,3 Prozent und die Zweigstellen der Auslandsbanken 14,2 Prozent des Kreditvolumens an die Unternehmen der Chemischen Industrie stellen.
  • Energie- und Wasserversorgung: Ähnlich zur Chemischen Industrie, konzentriert sich ein beträchtlicher Teil des Kreditvolumens der Energie und Wasserversorgung in bestimmten Bankengruppen. Regional- und Landesbanken sowie Banken mit Sonderaufgaben (z.B. die Förderbanken) spielen hier eine herausgehobene Rolle in der Kreditfinanzierung dieser Branche. Auf diese drei Gruppen entfällt mehr als das Dreifache der durchschnittlichen Energiekreditlast über alle Bankengruppen. So stellen die Landesbanken 18,5 Prozent des Kreditvolumens an diese Unternehmen.
  • Metallerzeugung und -verarbeitung: In Gegensatz dazu zeigt sich in der Branche der Metallerzeugung bzw. -verarbeitung ein homogeneres Bild. Zwar sind Kreditbanken sowie Institute aus dem Sparkassenverbund in absoluten Zahlen stärker in der Finanzierung dieser Branche engagiert. Relativ verteilt sich die Energiekreditlast jedoch gleichmäßiger auf die verschiedenen Bankengruppen, mit einer leicht überproportionalen Repräsentation der Großbanken.

Ein Vorteil der verwendeten Definition für die Energiekreditlast ist, dass sie es ermöglichen, Energieintensitäten und Kreditvolumina über Branchen hinweg zu aggregieren und vergleichbar zu machen. Landesbanken und Banken mit Sonderaufgaben (insb. die KfW) weisen die höchste relative Energiekreditlast auf. Im Vergleich mit Banken aus der Gruppe der Sparkassen ist diese beispielsweise rund doppelt so hoch. Dies bedeutet, dass Landesbanken Kredite an Unternehmen vergeben haben, welche in ihrer Produktion einen doppelt so hohen Bedarf an Energieträgern ausweisen wie Unternehmen, die durch Sparkassen finanziert werden. Speziell bei der Erdgaskreditlast weisen Regionalbanken, Landesbanken sowie Banken mit Sonderaufgaben etwas höhere Werte auf. Im Bereich der Erdölkreditlast weisen hingegen die Zweigstellen der ausländischen Banken höhere Werte auf. Im Falle der Landesbanken bzw. Banken mit Sonderaufgaben ist die hohe Energiekreditlast in erster auf das starke Engagement dieser Gruppe von Banken in der Energieversorgung zurückzuführen.

Auswirkungen auf NRW

Die IW-Analyse zeigt, dass die Kreditportfolios der Banken durch ihre Energieabhängigkeit im Zuge der Umstellung auf Klimaneutralität einem hohen Anpassungsdruck unterliegen. Dieser Druck dürfte in den nächsten Jahren jedoch nicht zu einer weitereichen Bankenkrise, da der Bankensektor in NRW und in Deutschland insgesamt gut aufgestellt ist, wie folgende Punkte unterstreichen:

  • Großbanken weisen zwar im Durchschnitt eine geringere Eigenkapitalrentabilität und geringe Eigenkapitalquoten im Vergleich zu den anderen Bankengruppen auf, bei den Energiekreditlasten der importierten Energieträger Erdgas, Erdöl und Steinkohle weisen sie aber nur recht moderate Werte auf.
  • Die Gaskreditlast ist vor allem auf Regionalbanken, Landesbanken und Förderbanken fokussiert. Regionalbanken sind zwar tendenziell größer als Sparkassen und Kreditgenossenschaften, aber immer noch klein im Vergleich zu Landesbanken und Förderbanken. Es besteht somit keine Too-Big-to-Fail-Problematik. Die Eigenkapitalquoten sind zudem hoch genug, so dass diese unerwarteten Verluste durchaus verkraften können.
  • Die Erdölkreditlast fokussiert sich vor allem auf Zweigstellen ausländischer Banken, während die Steinkohlenkreditlast für alle Bankengruppen moderat ausfällt. Die Branchen mit einer hohen Energieintensität, vor allem aber einer hohen Gasabhängigkeit und Erdölabhängigkeit, weisen deutlich höhere Eigenkapitalquoten auf im Vergleich zu den weniger energieintensiven Branchen, was ebenfalls einen stabilisierenden Effekt auf die Bonität der Kredite der Banken hat.

NRW verfügt über keine Großbank und keine Landesbank. Energierisiken in den Kreditportfolios von NRW-Banken sind auf Sparkassen, Kreditgenossenschaften, der NRW.BANK und den Auslandsbanken verteilt. Wir sehen, dass die Kreditportfolios der Banken energieintensive Branchen enthalten. Allerdings sind die meisten Banken gut diversifiziert aufgestellt, sodass im Zuge der Transformation kaum negative Auswirkungen auf die Bankenbranche zu erwarten sind.

Fachbeitrag von Markus Demary,
Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V.