In dem folgenden Kurzinterview hat sich der ehemalige Projektkoordinator und Initiator von Fin.Connect.NRW und Autor von "Finanzplatz Deutschland " H.- Joachim Plessentin die Mühe gemacht den aktuellen Projektleiter Dr. Ralph Henger zur aktuellen Wirtschaftssituation zu befragen. Des Weiteren erläutert Dr. Ralph Henger, welche Rolle dabei das Landesprojekt in der Transformation spielt. 

 

Plessentin: Lieber Herr Dr. Henger, Sie sind Ökonom am Institut der deutschen Wirtschaft. Das IW nimmt eine besondere Rolle als Think Tank ein. Bitte stellen Sie unseren Lesern kurz das IW vor.

Dr. Henger: Das IW mit seinem Hauptsitz in Köln versteht sich als marktwirtschaftlich orientiertes Forschungsinstitut, das wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen analysiert und seine Ergebnisse in Politik, Medien und Öffentlichkeit einbringt.

Plessentin: Die Weltwirtschaft befindet sich im Umbruch. Es gibt geopolitische Spannungen, Protektionismus, neue Technologien sowie Megatrends wie Digitalisierung, Dekarbonisierung und Demografie. Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum, Innovation und Transformation stehen im Fokus. Welche Auswirkungen sehen Sie für die deutsche Wirtschaft und den Finanzplatz Deutschland?

Dr. Henger: Unser exportorientiertes Geschäftsmodell steht enorm unter Druck. In der Vergangenheit hat uns der Export durch einen wachsenden Welthandel immer wieder auf den Wachstumspfad zurückgebracht. Das ist jetzt anders. Entsprechend sind tiefgreifende Reformen bei Standortbedingungen, Finanzierung, Fachkräften und Regulierung erforderlich. Dabei sollten wir europäischer denken und den EU-Binnenmarkt sowie die Kapitalmarkt- und Bankenunion vollenden. Ich denke, die Chancen in einer besser integrierten EU werden allgemein massiv unterschätzt.

Plessentin: Sie sind auch Projektleiter von Fin.Connect.NRW. Gerade in diesen Zeiten werden Ökosysteme, Netzwerke, Kompetenzzentren und Finanzplatz-Initiativen immer wichtiger, um z. B. mehr Investitionen zu initiieren. Bitte stellen Sie uns Fin.Connect.NRW und Ihr Wirkungsfeld näher vor.

Dr. Henger: Wir sind eine Standort- und Vernetzungsinitiative für den Finanzplatz Nordrhein-Westfalen. Ziel ist es, Akteure aus Finanz- und Realwirtschaft, Wissenschaft, und Politik zusammenzubringen und NRW als innovativen Finanzstandort zu stärken. Unser Hauptfokus liegt auf der Frage, wie die klimaneutrale und digitale Transformation erfolgreich finanziert und umgesetzt werden kann. Das Spektrum reicht von der Beratung des Mittelstands durch Webinare und praxisnahe Informationsangebote bis hin zu Gutachten und konkreten Politikempfehlungen für die Politik, um z.B. adäquate Standards bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung und dem ESG-Reporting für Unternehmen und Banken zu etablieren.

Plessentin: Abschließend eine klassische Frage: Wo sehen Sie uns in 5 Jahren?

Dr. Henger: Die letzten Jahre haben uns gezeigt, wie rasch sich Rahmenbedingungen und Debatten verändern können. Im Kern bleibt die Aufgabe jedoch dieselbe: Bei der Transformation müssen wir besser und schneller werden. Hierfür braucht es mehr Investitionen und eine stärkere Innovationsdynamik. Ich sehe den Staat in der Pflicht, Planungssicherheit und leistungsfähige Kapitalmärkte zu schaffen. In fünf Jahren werden wir weiter sein, aber nicht am Ziel.

Plessentin: Ich danke Ihnen für das Gespräch. Ein frohes neues Jahr!


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