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Die Dittmar & Stachowiak Autodienst GmbH war eine der ersten Autowerkstätten in Deutschland, die sich auf Elektroautos spezialisiert haben. In Bochum setzt man dabei auf individuelle Reparaturen, wo andernorts oft direkt pauschal Teile ersetzt werden. Warum nachhaltigere E-Auto-Reparaturen bislang die Ausnahme sind und wie ein Kleinbetrieb den Wandel trotzdem schafft, erklärt Co-Geschäftsführer Michael Dittmar im Interview.

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Michael Dittmar (links) und Thomas Stachowiak leiten den Betrieb gemeinsam. (Foto: Autodienst Dittmar & Stachowiak GmbH)
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Herr Dittmar, wann hatten Sie in Ihrer Werkstatt das erste Elektroauto auf der Hebebühne?

Michael Dittmar: 2010 haben wir angefangen mit Elektromobilität. Dass es dazu kam, war mehr oder weniger Zufall. So um 2005 munkelte man in der Werkstattbranche erstmals über E-Mobilität. Damals wurden die Berufsgenossenschaften hellhörig. Die sorgten sich, dass Unfälle passieren könnten, wenn Mechaniker bald mit elektrischer Spannung arbeiten müssen. Sie entwickelten Schulungen, die zufälligerweise in Bochum pilotiert wurden. Da haben wir damals mit unserer Werkstatt mitgemacht. Bis 2010 waren wir alle geschult. Das Problem war nur: Es gab keine E-Autos.

Also auch nichts zu reparieren. 

Dittmar: Genau. Erst 2013 geht bei uns die Tür auf und es kommt einer rein und sagt: Wollt ihr eine ganze Flotte Elektroautos reparieren?

Sie meinen die Deutsche Post DHL, Ihren ersten Großauftrag.

Dittmar: Mit der Post fing für uns die E-Mobilität so richtig an. Die hatten damals mit einem Start-up zusammen ihren Streetscooter entwickelt. Dafür suchte die regionale Niederlassung jetzt eine Werkstatt. Wir haben mit einem Fahrzeug angefangen, einen Monat später hatten wir 30, heute betreuen wir 250 Elektrofahrzeuge der Post-Flotte. 

Sie haben sich damals als eine der ersten Werkstätten in Deutschland auf E-Mobilität fokussiert. War dafür viel Umdenken nötig?

Dittmar: Der Sprung ist nicht so groß, wie viele Kfz-Meister glauben. 85 Prozent der Reparaturen am E-Auto sind dieselben wie bei einem Verbrenner. Nur 15 Prozent betreffen den Antrieb. Auch beim Verbrennungsmotor gibt es Netzwerke, Steuergeräte und viel IT. Und dem Steuergerät ist es egal, ob es eine Zündung oder einen Elektromotor ansteuert. 

Sie verfolgen den nachhaltigen Ansatz „Reparieren statt Austauschen“. Wie funktioniert das konkret? 

Dittmar: Das ist ein Vorgehen, das bei Verbrennungsmotor eigentlich normal ist. Der kostet neu auch schon mal 25.000 Euro. Nur weiß das keiner, weil Verbrennungsmotoren selbstverständlich repariert werden. Auch eine Batterie ist nicht der große schwarze Kasten, der immer komplett getauscht werden muss. Sie besteht aus Zellen, die zu Modulen geschaltet sind, es gibt Verkabelung, Platinen, eine Ladesteuerung und eine Überwachung. All das lässt sich reparieren. 

Sind Batterie-Reparaturen bei E-Autos nicht üblich? 

Dittmar: Es gibt einige Hersteller, die Komponenten tauschen, aber viele bieten nur den Kompletttausch der Hochvolt-Batterie an. Wir sind nachhaltig und reparieren manchmal auch Batterien, bei denen der Hersteller keine Komponenten anbietet.

Welche nachhaltigen Reparaturen gibt es bei Elektroautos noch? 

Dittmar: Zum Beispiel haben wir bei einem Renault Zoé den Antrieb repariert. Da haben wir herausgefunden, dass die Lager des Elektromotors kaputt waren. Der Hersteller sagte, er könne als Ersatzteil nur das gesamte Teil liefern. Mit einiger Recherche konnten wir dann selbst Lager besorgen. Die haben wir eingebaut und das Auto repariert – günstiger als bei der Vertragswerkstatt. 

Sie wirken in Ihrer Arbeit also nachhaltig für Ihre Kunden. Kümmern Sie sich auch um die Nachhaltigkeit Ihrer eigenen Werkstatt?

Dittmar: Wir haben 2021 eine neue Heizung angeschafft. Zwar immer noch eine Gasheizung, aber eine mit Strahlungswärme. Um eine indirekte Strahlungswirkung zu erzielen, haben wir in der Werkstatt Schwarzstrahler unter die Decke montiert. Die sind ideal für eine Autowerkstatt, weil ja ständig das Tor auf- und zugeht. Einfach mit Heizkörpern die Luft erwärmen, macht bei uns wenig Sinn. 

Trotzdem gehen die Tore ja ständig auf und die Wärme entweicht … 

Dittmar: Deshalb haben wir auch zusätzlich neue elektrische Tore angeschafft und diese mit der Heizung gekoppelt: Tor auf, Heizung aus. Auch das spart uns viel Energie. 

Wie sieht es beim Strom aus?

Dittmar: Wir haben uns schon vor neun Jahren eine Solaranlage aufs Dach gesetzt. 22 kW Peak, leider ohne Speicher, weil der damals noch massiv teuer war. Aber da wir in der Tagschicht arbeiten, können wir den Sonnenstrom gut nutzen. Unsere Stromrechnung haben wir so mehr als halbiert. 

Wie haben Sie die Anlage finanziert?

Dittmar: Wir haben mit den Stadtwerken Bochum einen Sale-and-Lease-Back-Deal gemacht. Das heißt: Die Stadtwerke haben uns die Anlage aufs Dach gesetzt und vermietet. Das kostet uns 230 Euro im Monat und rechnet sich sofort. Vor allem, weil die Laufzeit des Vertrags annähernd über die Abschreibdauer von 18 Jahren läuft – und damit auch die Garantie. Wahrscheinlich wäre Finanzieren etwas günstiger gewesen, aber schon bei der ersten Reparatur wäre diese Rechnung hinfällig. 

Welche weiteren Themen sind für eine Autowerkstatt in Sachen Nachhaltigkeit überhaupt relevant?

Dittmar: Wir haben einen Nachhaltigkeits-Check gemacht bei der Handwerkskammer. Ich dachte vorher immer: Nachhaltigkeit bedeutet vor allem Energiesparen und Dinge reparieren, statt sie wegzuwerfen. Aber da gibt es noch viel mehr. Frauenrechte oder sauberes Wasser zum Beispiel – die 17 SDGs (Sustainable Development Goals) der UN (Vereinten Nationen). All diese Punkte sind wir mit einem Berater durchgegangen. Dabei wurde mir klar: Vieles machen wir im Handwerk ja aus einem natürlichen Selbstverständnis heraus eh schon im Alltag. Allein das Konzept Werkstatt/Reparatur ist ja schon nachhaltig. Nur gilt wie allzu oft: Wir sprechen einfach zu wenig darüber!

Müssen Sie Ihrem Konzernkunden Deutsche Post DHL Daten zur Nachhaltigkeit liefern? 

Dittmar: Einen Nachhaltigkeitsbericht müssen wir nicht anfertigen. Aber im Vertrag mit DHL stehen ESG-Themen (Environmental, Social and Governance) wie das Verbot von Kinderarbeit natürlich drin. Auch die Lieferkette kommt vor: Allerdings kann ich als kleiner Handwerksbetrieb nicht sicher wissen, wer in China ein Teil zusammengeschraubt hat, das ich verbaue. Ich muss mich auf meinen vertrauten Lieferanten verlassen. Deshalb kaufen wir fast immer nur bei denselben Lieferanten. Oder wir nutzen gebrauchte Ersatzteile, das ist noch nachhaltiger. 

Werden Sie auch von Banken bereits nach ESG-Kriterien beurteilt? 

Dittmar: Bislang hatten wir den Luxus, ohne Fremdkapital auszukommen. Ich bin aber mit meiner Bank schon mal einen solchen Fragebogen durchgegangen: Wie viel Energie verbrauchen wir aktuell, wie wollen wir unsere Verbräuche senken? 

Sie kommen ohne Fremdkapital aus? Muss man nicht viel investieren, wenn man als Autowerkstatt auf E-Mobilität umrüsten will? 

Dittmar: Als freie Werkstatt muss man dafür nicht Zehntausende Euro investieren. Wenn ein Auto kommt, sehen wir uns die Original-Anleitung an und schauen, wo wir das passende Werkzeug dafür bekommen. Das muss nicht immer das teure mit dem Hersteller-Logo sein. Was am meisten Zeit und Geld kostet, ist das Lernen. Wie repariere ich eine Batterie? Wie funktioniert ein Elektromotor? Dafür muss man viel Zeit investieren und Learning-by-Doing machen. 

 

Zum Unternehmen: 

Die Dittmar & Stachowiak Autodienst GmbH ist eine freie Autowerkstatt in Bochum. Gegründet wurde sie von Kfz-Meister Michael Dittmar 1991 in Dortmund, nach einem Jahr kam der Umzug nach Bochum. Seit 2003 betreibt er die Firma gemeinsam mit Kfz-Meister Thomas Stachowiak. Auf einem Grundstück von rund 2.500 Quadratmeter mit einer 600 Quadratmeter großen Halle bieten die aktuell 17 Beschäftigten der Autodienst GmbH alle Arbeiten an, die mit Mobilität zu tun haben – mit einem Schwerpunkt auf E-Mobilität.

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Frühstarter: Im Alter von 25 Jahren gründete Kfz-Meister Michael Dittmar 1991 seine Autowerkstatt, die er heute mit einem Partner betreibt. (Foto: Autodienst Dittmar & Stachowiak GmbH)
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Zustellfahrzeuge auf dem Hof: Die Bochumer Autowerkstatt betreut Teile der E-Auto-Flotte der Deutsche Post. (Foto: Autodienst Dittmar & Stachowiak GmbH)

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